Wunderblock No. 21 – Landscapes of Sound & Image

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Zu den wichtigsten Mitteln medialer Inszenierung von Ereignissen gehören seit jeher Bild und Ton, die gleichermaßen auch selbst Ereignisse sind. Man kommt nicht nur aus Anlässen zusammen, die von Personen und ihren Handlungen bestimmt werden, Bild- und Tonwerke schaffen eigene soziale Anlässe; sie stiften Gemeinschaft. Ihre Produktion hingegen erfolgt, zumal beim Bild im engeren Sinne, eher in individueller Einsamkeit.

Die Verwandschaft visueller und akustischer Phänomene und ihre Fähigkeit, sich gegenseitig zu verstärken, wurde früh bemerkt. Eine lange Geschichte der audiovisuellen Praktiken erzählt von den Bemühungen, die Überlagerung von Hören und Sehen technologisch zu bewältigen. Die schwierige Aufgabe, Bilder nicht nur zu verzeitlichen, sondern auch zu mobilisieren, und Klänge mit visuellen Merkmalen auszustatten, wurde allerdings erst im ausgehenden 20. Jahrhundert mit den digitalen Technologien wirklich befriedigend gelöst. Diese erlauben es, über Bilder und Sounds als beliebig formbare Ressourcen zu verfügen.

Den jüngeren Anfangspunkt dieser Entwicklung markieren die 1920er Jahre mit dem absoluten Film, der sich, wie die absolute Malerei, nicht für die Nachahmung der äußeren Welt interessiert, sondern das künstlerische Material und dessen Wahrnehmung in den Vordergrund stellt. Im gerade begonnen 21. Jahrhundert hat dieses Erbe bereits zu einer verwirrenden Vielzahl sich überschneidender und miteinander konkurrierender Kunstformen geführt, aus denen sich aktuelle Landscapes of Sound and Image formieren: Da ist die Rede von ›Visual Music‹, ›Expanded Cinema‹, ›Live Cinema‹, ›VJing‹, ›Live Audiovisual Performance‹, bei denen Bild und Sound nicht nur nach neuen Methoden produziert, sondern auch in zuvor unbekannten Aufführungspraktiken dargeboten werden.

Die Medientheoretiker und Kuratoren Cornelia und Holger Lund haben sich in den letzten mehr als zehn Jahren unter dem Label fluctuating images mit dieser Entwicklung beschäftigt und die Ergebnisse u.a. in den Publikationen Audio.Visual (2008) und The Audiovisual Breakthrough (2015) veröffentlicht. Andreas Rauth spricht mit Cornelia und Holger Lund über Theorie und Praxis der Landscapes of Sound & Image.