SchriftStücke. Gesägt, genäht, gebrannt…
– es muss nicht immer Papier sein

Schriftkunst wird zumeist mit Feder und Papier in Verbindung gebracht. Daneben gibt es jedoch Schrift in vielfältigen anderen, zumal plastischen Erscheinungsformen. Bereits in der Antike wurde Schrift in Stein gemeißelt, heute sind die verwendeten Materialien äußerst vielfältig.

Neben einer umfangreichen Sammlung an geschriebenen Büchern und Einzelblättern beherbergt das Klingspor Museum zahlreiche Objekte der Schriftkunst. Die Ausstellung zeigt eine große Bandbreite von Arbeiten: Holzplastiken, Genähtes, Texte, die mit Hilfe eines Laserstrahls entstanden sind und in Beton gegossene Schriftskulpturen. Es muss nicht immer Papier sein lautet daher das Motto der Ausstellung.

Einzigartig ist die Sammlung des Museums an wandfüllenden Schrifttapisserien, die Rudolf Koch, der maßgebliche Schriftgestalter und Lehrer an der Offenbacher Kunsthandwerkerschule in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, geschaffen hatte. Mit den Teppichen, die ohne kunsthistorisches Vorbild waren, eröffnete Koch ein neues Feld der Schriftkunst. Die Sammlung wurde durch Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern erweitert. Hans Schmidt, auch er langjähriger Professor für Schrift an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, schuf Tapisserien, aber auch Holz- und Kunststoffskulpturen. In seinen Werken zerlegt er das Alphabet in geometrische Grundformen, um so Texten eine völlig neue Lesart zu verleihen.

Tanja Leonhardt beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Schrift. In Performances schafft sie vergängliche Kunstwerke aus Feuer oder Eis und bearbeitet Materialien mit höchst ungewöhnlichen Werkzeugen, indem sie beispielsweise mit der Kettensäge Wörter aus Holzblöcken heraussägt. Peter Malutzki schuf für eine Bucharbeit ein in Beton gegossenes Alphabet. Corinna Krebber schneidet Texte in Papier, die quasi als textiler Faden zu Schrifträumen gespannt werden, geschnittene Blätter stapeln sich zu einer Skulptur, die sich nach oben hin aufzulösen scheint. Barbara Habermann schuf eine großformatige bestickte textile Collage zu Peter Handkes Publikumsbeschimpfung.

Die Ausstellung, die neben eigenen Beständen auch Leihgaben zeitgenössischer Künstler zeigt, lebt vom Reiz verschiedener Materialen, von Gegensätzen in der Anmutung: hauchfeine Gebilde bilden den Kontrast zu schweren Skulpturen, flächendeckende textile Arbeiten zu Werken, die nur zarte Spuren bilden.
Die Teppiche von Rudolf Koch werden zu angekündigten Terminen in der Bibliothek gezeigt.

www.klingspor-museum.de