Farbwerk. Erika Maria Riemer-Sartory

Farbe steht im Mittelpunkt des künstlerischen Werks von Erika Maria Riemer-Sartory. Und das bedeutet hier die Farben der Malerei, genauer: das Pigment als deren Basis. erstererster – Raum für Kunst & Design zeigt Arbeiten rund um die Werkreihe »Ikonen« aus den letzten zwanzig Jahren. Eine Suche nach dem Grund der Malerei.

Farbe ist Licht, aber Farbe ist auch Mineral, Erde, Pflanzenstoff, Tierkörper, Sekret, sie ist Material. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite steht die geistige Farbe, deren Symbolik das gesellschaftliche Leben durchdringt und strukturiert. Es lässt sich die eine nicht von der anderen Seite lösen, und die Malerei hat immer auf beiden Ebenen operiert, hat aus dem Material das Bild entstehen lassen, das seine eigene Materialität transzendiert. In der Farbe hat man die Künstler bewundert, hat gestaunt, wie sie Farbe in Licht verwandeln, das eine Welt im Bild erscheinen lässt. Welt, Licht und Farbe sind für uns Menschen so fest miteinander verbunden, dass es große Mühe kostet, sich eine Welt irgendwie anders vorzustellen. Und selbst wenn das gelingt, stellt sich unmittelbar die Frage, ob diese Welt dann auch noch lebenswert ist.

Die fundamentale Bedeutung von Farbe belegen eindrucksvoll die Arbeiten der Ratinger Künstlerin Erika Maria Riemer-Sartory. Ihr gelingt es, die Welt gewissermaßen als Farbwerk darzustellen. Von den Tiefen der Erde bis in die Sphären des Göttlichen erstreckt sich das System. Nur mit wenigen Eingriffen verleiht die Künstlerin dem Farbwerk Struktur und Form. Denn die Empfindlichkeit der Farbe fordert ein hohes Maß an Sensibilität und Konzentration. Man kennt das beispielsweise auch von Rupprecht Geiger, der den größten Teil seines hunderteinjährigen Lebens darauf verwandte, der Farbe Rot auf die Spur zu kommen, und dabei ein äußerst reduziertes Werk produzierte.

In den gegenstandslosen Arbeiten von Erika Maria Riemer-Sartory fehlt genau das, wofür man die Maler so gerühmt hat, nämlich die Welt im Bild erscheinen zu lassen. Aber ihre Bilder stehen in einem anderen Verhältnis zur Welt, man könnte eher von Proben im Sinne einer Entnahme sprechen. Proben einer Welt aus Licht. Keine Welt, die im Bild erscheint, sondern eine Welt, die erscheint.

Zur Einführung spricht Andreas Rauth.

  • erstererster – Raum für Kunst und Design
    Pappelallee 69, 10437 Berlin
  • www.erstererster.de
  • Öffnungszeiten während der Ausstellung, 13.–19.05.2017, täglich außer Sonntag 16:00–19:00 Uhr